Neue Bau- und Zonenordnung: Sperrfeuer von rechts

Die Debatte im Dübendorfer Gemeinderat über die neue Bau- und Zonenordnung war wohl eine der wichtigsten der letzten Jahrzehnte überhaupt. Die Fraktionen hatten bereits in der vorberatenden Kommission monatelang um Kompromisse gerungen, die jetzt zur Diskussion standen. Im Parlament versuchten FDP und SVP erneut, wichtige Artikel zu blockieren. Dies betraf vor allem die Abschnitte über die Förderung von bezahlbarem Wohnraum. Schon in den Bestimmungen über die Gestaltungspläne sprachen sie sich gegen eine Verankerung eines Mindestanteils für preisgünstige Wohnungen aus, obwohl dies nur wenige Zonen und grosse Überbauungen betrifft. Der vorgeschlagene Ergänzungsplan für preisgünstigen Wohnraum sollte nach dem Willen der rechten Fraktionen sogar ganz gestrichen werden. Sie sind damit nicht durchgekommen, eine Mitte-Links-Koalition setzte die vorgeschlagenen Kompromisse durch.  

Drei Viertel der Bevölkerung wohnen zur Miete!

Die Eigentümerinnen und Eigentümer von Liegenschaften wurden von SVP und FDP oft für ihre Argumente herangezogen: Zu viel Regulierung sei ihnen nicht zuzumuten, die Anreize zum neu Bauen oder Umbauen werden durch die neue Bauordnung eingeschränkt, usw. Originalton Orlando Wyss (SVP): Eine solche Bauordnung sei vielleicht für das rot-grüne Zürich gut, aber nicht für das «bürgerlich geprägte Dübendorf». Mal abgesehen davon, dass die neuen Bestimmungen den meisten Besitzenden von Wohnungen oder Einfamilienhäusern kaum weh tun: Wissen diese Herren (es waren fast ausschliesslich Herren) eigentlich, dass in Dübendorf rund drei Viertel der Bevölkerung zur Miete wohnen und nur ungefähr ein Viertel Haus- oder Wohnungseigentum haben? Wahrscheinlich schon. Trotzdem machen sie unverblümt Lobbyismus für Hausbesitzende, Bauherrschaften und Immobilienkonzerne.

Besonders zufrieden ist die SP nicht mit der neuen Bauordnung. Sie hätte gern die Pflicht zum Bau preisgünstiger Wohnungen grosszügiger formuliert, ist aber mit diversen Anträgen nicht durchgekommen. In der Schlussabstimmung hat Links-grün aber der Bauordnung zugestimmt, weil es darin Fortschritte gibt und einige wichtige Pflöcke eingeschlagen wurden. Wie übrigens auch die FDP, obwohl sie bei vielen umstrittenen Kompromissen unterlag. Einzig die SVP stimmte gegen die neue Bau- und Zonenordnung. Und damit gegen die Interessen von Mieterinnen und Mietern.  

Hans Baumann, Gockhausen

SP-Mitglied

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