Tempo-Flickenteppich im Gfenn gefährdet die Sicherheit

Am vergangenen Montag hat der Gemeinderat die von über 200 Petitionär:innen geforderte flächendeckende Einführung von Tempo 30 im Quartier Gfenn verworfen. Stattdessen unterstützte er den Vorschlag der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission (GRPK), wonach die Gfennstrasse von Tempo 30 ausgenommen bleiben soll – und das, obwohl selbst die GRPK einräumte, dass das Quartier in sich abgeschlossen und nicht von Durchgangsverkehr betroffen sei. Dieser Entscheid im Sinne der SVP wurde auch von der Grünliberalen Partei mutlos und einstimmig mitgetragen. Gegen den Vorschlag stellten sich die SP, die Grünen sowie Die Mitte / EVP.

Dabei sind die Fakten klar: Die Björn Steiger Stiftung belegt in einer grossen Auswertung von dreizehn europäischen Städten, dass Tempo 30 schwere Unfälle und Lärm deutlich reduziert, ohne den Verkehrsfluss relevant zu verschlechtern. Besonders der Sicherheitsaspekt ist reine Physik: Bei Tempo 50 ist der Anhalteweg mit rund 28 Metern doppelt so lang wie bei Tempo 30 (ca. 13 Meter). Gerade auf der Gfennstrasse, wo der meiste Verkehr fliesst, ist dieser Unterschied für Kinder und ältere Menschen im Quartier lebenswichtig. Eine Ausnahme für diese Strasse untergräbt die Glaubwürdigkeit der gesamten Massnahme. Ein Flickenteppich aus verschiedenen Tempi führt erfahrungsgemäss zu schlechterer Einhaltung und Verwirrung.

Das Argument des Verkehrsflusses überzeugt ebenfalls nicht. Die Reisezeit im Ort wird durch Kreuzungen und das Verkehrsaufkommen bestimmt, nicht durch die Höchstgeschwindigkeit. Tempo 30 sorgt im Gegenteil für einen gleichmässigeren Fluss und weniger abruptes Bremsen.

Der getroffene Entscheid des Gemeinderats widerspricht den Empfehlungen des Stadtrats und der Expert:innen, welche eine flächendeckende Einführung im Quartier vorschlugen. Er ist eine vertane Chance für effektiven Schutz und ein Schlag ins Gesicht der Anwohnenden. Dieser verantwortungslose Entscheid von SVP, GLP und FDP sollte ein Weckruf für alle sein, denen Sicherheit im Quartier wichtiger ist als das Privileg, ein paar Sekunden schneller an der nächsten Kreuzung zu stehen.

Remo Streich

Vorstandsmitglied SP Dübendorf

Kandidat Sekundarschulpflege Dübendorf-Schwerzenbach

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