Häusliche Gewalt betrifft alle Bevölkerungsgruppen

Antwort auf SVP-Leserbrief “Mehr häusliche Gewalt durch Ausländer – Mittel dagegen wären vorhanden” im Glattaler vom 13.2.2026

Häusliche Gewalt betrifft alle Bevölkerungsgruppen

Der Leserbrief von Orlando Wyss will das Thema häusliche Gewalt auf eine vermeintlich reine «Ausländer-Problematik» reduzieren. Weitere Faktoren wie prekäre Wohnsituationen, sozioökonomischer Status, Bildung, Milieu oder eigene Gewalterfahrungen in der Kindheit spielen jedoch eine ebenso grosse Rolle. Häusliche Gewalt ist also ein Problem aller Gesellschaftsschichten und hat komplexe Ursachen.

Die Anfrage von SP-Gemeinderätin Leandra Columberg zielte darauf ab, wie die Stadt Dübendorf eine konkrete Strategie gegen häusliche Gewalt entwickelt: Prävention, Sensibilisierung, niederschwellige Unterstützungsangebote und Schutz für Betroffene. Diese Anliegen werden im Leserbrief nicht thematisiert. Die Forderung nach einer Interpellation erscheint im Nachhinein als vorgeschoben, da die SVP die notwendigen Schritte zum Schutz von Frauen offensichtlich nicht unterstützt bzw. kommunal keinen Handlungsbedarf sieht.

Die SVP-Position, Gewalt lasse sich durch restriktive Migrationspolitik lösen, verkennt die Realität. Nachhaltige Gewaltprävention braucht gesellschaftliche Teilhabe, gute Integrationsangebote, Zugang zu Sprachkursen und Arbeitsmarktintegration. Studien und Praxis zeigen: Menschen, die gesellschaftlich eingebunden sind, sind weniger gefährdet, Gewalt zu erleben oder auszuüben. Dagegen gefährdet die aktuelle SVP-Agenda zur Verschärfung des Asylrechts und gegen die Ausweitung der Opferhilfe genau diese Integration. Die SVP betreibt einen schrittweisen Abbau von Rechten Geflüchteter. Das erschwert gesellschaftliche Teilhabe und bremst Integration, statt sie zu fördern.

Die Haltung im Leserbrief ist zynisch: Sie nutzt statistische Daten, um Ressentiments gegen Minderheiten zu schüren, statt konkrete Lösungen zu benennen. Gerade ausländische Frauen sind oft doppelt gefährdet: Sie erleben selbst Gewalt und sind zugleich von restriktiven politischen Kampagnen betroffen, die ihre Integration und Schutzmöglichkeiten schwächen und sie so von ihrem Mann noch abhängiger machen.

Alleine in der Stadt Dübendorf könnten laut Statistiken mehrere Hundert Schweizerinnen und Ausländerinnen von häuslicher Gewalt betroffen sein. Es ist deshalb wichtig, gemäss der Anfrage von Leandra Columberg sicherzustellen, dass konkrete Massnahmen zur Prävention häuslicher Gewalt inklusive ausreichender Ressourcen für Sensibilisierung, Schutz- und Unterstützungsangebote vorhanden sind. Eine solidarische, frauenfreundliche Politik setzt auf Teilhabe und Schutz für alle Bewohnerinnen und Bewohner, nicht auf Ausgrenzung. Die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» ist hingegen keine nachhaltige Lösung.

Roland Wüest

Gemeinderat SP Dübendorf

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