Betrifft: «Was im Hochbord schiefgelaufen ist» (Leserbrief von Kantonsrätin Judith Stofer / Glattaler-Ausgabe vom 20. Februar) und «Die Schweiz kann keine Stadtplanung» (Glattaler-Ausgabe vom 13. Februar)
Als Anwohner und Initiant der Petition für Tempo 30 im Hochbord möchte ich Kantonsrätin Judith Stofer in ihrem Leserbrief vollumfänglich beipflichten. Die Reportage über den Stadtplaner Jürg Sulzer bringt es auf den Punkt: Es ist Zeit, dass wir das Quartier nicht mehr nur als Aneinanderreihung von Parzellen, sondern als Lebensraum begreifen. Zwar bringen Familien und Schülerinnen und Schüler im «Three Point» Leben in den Park, und auch Orte wie das Atelier und der Spielplatz im Westhof oder jener im Jabee-Park zeigen Ansätze einer funktionierenden Nachbarschaft. Doch es ist zu befürchten, dass die geplante, in sich abgeschlossene Überbauung auf dem Beerstecher-Areal diesen Trend zur maximalen Ausnützung fortsetzt, statt sich dem Quartier zu öffnen.
Ein grosses Hindernis bleibt dabei der Verkehr: Die Tempo-50-Strassen, auf denen hochmotorisierte Raser die Höchstgeschwindigkeit im Gebiet zwischen Am Stadtrand, der Sonnental- und der Lagerstrasse bis ans Maximum (und darüber hinaus) mit unnötigen Beschleunigungsmanövern ausreizen, wirken wie Barrieren, welche die Anwohnenden auf isolierte Inseln zurückdrängen. Einzig die Unterbrechung der Hochbordstrasse beim Jabee-Tower war ein weiser stadtplanerischer Entscheid, auch wenn der mittlere Poller dort seit Monaten dauernd im Boden versenkt ist und das Durchfahrverbot immer öfter ignoriert wird. Dass die SVP die Abstimmung gegen generelles Tempo 30 in Dübendorf gewonnen hat, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Mehrheit der direkt betroffenen Anwohnenden in den Quartierstrassen diese Verkehrsberuhigung für ihre Sicherheit und Lebensqualität dringend wünscht.
Das Quartier hätte zwar enormes Potenzial für eine «Zehn-Minuten-Stadt», der Weg dorthin ist aber noch weit. Erste positive Ansätze sind dank der neuen Postfiliale in einer Apotheke sowie einzelner Lebensmittelläden und Bäckereien zwar sichtbar – städtebauliche Korrekturen, bessere und sichere Wege für Schulkinder und den Langsamverkehr sowie Tempo 30 sind jedoch unerlässlich, damit die Verwandlung vom ehemaligen Industriequartier hin zu einem echten, lebenswerten Wohnquartier mit hoher Aufenthaltsqualität gelingt.
Remo Streich, Dübendorf