Im «Glattaler» vom 13. März regten sich Orlando Wyss (SVP) und Gerhard Weinhold in Leserbriefen über die Forderung nach Tempo 30 in den Quartieren auf. Meinungen, Zahlen und Studien werden durcheinandergewirbelt. Hier ein Versuch, etwas Ordnung in die Debatte zu bringen.

Foto: Benjamin Spielmann 2025 (Artischock)
Erstens: Viele Anwohnende wünschen sich tatsächlich Tempo 30 in ihren Quartieren – unabhängig von ihrer politischen Haltung. Sie haben dafür unterschiedliche Gründe. Versuche, diese als «Partikularinteressen» herunterzuspielen, ist respektlos und greift zu kurz. Die Anwohnenden verbringen einen grossen Teil ihres Lebens im Quartier, während Autofahrer es meist in weniger als einer Minute durchqueren. Warum sollten die Bedürfnisse der letzteren stärker gewichtet werden als jene der Quartierbewohnenden?
Zweitens: Die Annahme der SVP-Initiative «Mitbestimmung bei Temporeduktionen» im Jahr 2023 bedeutet nicht, dass die Dübendorfer Bevölkerung kein Tempo 30 will. Sie bedeutet lediglich, dass sie mitbestimmen möchte. Genau das ist heute möglich: Der Gemeinderat und gegebenenfalls das Stimmvolk haben das letzte Wort. Demokratisch läuft hier also alles in geordneten Bahnen. Die Leserbriefschreiber verwechseln den Inhalt der Petition mit der Petition als Form der politischen Partizipation.
Drittens: Die beiden Herren lassen durchschimmern, dass nur jene eine Petition unterschreiben dürfen, die selber in einem verkehrsgeplagten Quartier wohnen. Nähme man dieses Prinzip ernst, dürften im Umkehrschluss auch nur jene Gemeinderäte über Tempo-30-Petitionen entscheiden, die selbst an einer Tempo 50-Strasse wohnen. Von den Bürgerlichen wären das nicht allzu viele… Das zeigt, wie wenig überzeugend diese Argumentation ist. Politische Beteiligung kommt ohne Gesinnungskontrolle aus. Sie steht allen offen und das soll auch so bleiben.
Benjamin Spielmann, Gemeinderatskandidat Grüne Dübendorf