Wenn wir Gleichstellung und Inklusion ernst nehmen, müssen wir in Dübendorf auch die nötigen Angebote schaffen und die Mittel dazu bereitstellen. Erst nach zähem Ringen und dank einer breiten Allianz der Ratslinken sowie von GLP und Mitte konnte in Dübendorf eine tragfähige Lösung für die Kinderbetreuungsangebote gefunden werden, einer zentralen Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Gleichstellung der Geschlechter. Diese Unterstützung hinkt jedoch derjenigen in vergleichbaren Gemeinden und Städten noch immer weit hinter her. Bei der Sozial- und Familienpolitik wird um bescheidene Beträge von einigen Hunderttausend Franken im Budget gefeilscht, welche für die betroffenen Familien jedoch eine massive Differenz von mehreren Tausend Franken pro Jahr bedeuten, während symbolische Steuergeschenke verteilt werden, die die Haushalte mit 50 – 150 Franken pro Jahr entlasten. Allein die Gegenüberstellung dieser Zahlen zeigt wie heuchlerisch es ist von einer „Steuerdividende“ für alle Dübendorfer*innen zu sprechen.
Ja, Inklusion und Gleichstellung kosten etwas und verlangen von allen einen Beitrag, sei es bei barrierefreien Zugängen zum ÖV und öffentlichen Einrichtungen und Angeboten oder bei der integrativen Schule, die aktuell von Seiten der FDP und der SVP unter Beschuss genommen wird. Dass die integrative Schule vor Herausforderungen steht, wenn die Mischung nicht stimmt und zu viele sogenannte „verhaltensauffällige“ Kinder in einer einzelnen Schulklasse sind, stellt ein reales Problem dar, doch dem kann mit einer gezielten Verteilung – wie es etwa Uster derzeit mit einem Projekt erfolgreich versucht – und genügend Ressourcen vorgebeugt werden, so dass der Kipppunkt, an dem die schulischen Leistungen in einer integrativen Klasse leiden, vermieden werden kann. Zu behaupten, die integrative Schule sei gescheitert und in der Folge zu fordern, dass wieder vermehrt getrennte Klassen eingeführt werden sollen, ist reiner Populismus, der unterschlägt, dass dies in der Realität nicht umsetzbar ist und zu massiven Mehrkosten führen würde und zudem fordert, dass Kinder aus der Regelschule ausgeschlossen und damit ausgegrenzt werden, was dazu führen kann, dass viele dieser Kinder den Anschluss nicht mehr finden. Doch letztlich profitieren wir alle davon, wenn Integration und Inklusion gelingen.
Roland Wüest
Gemeinderat SP
