Integration ernst nehmen – auf beiden Seiten

Reaktion auf “Sportvereine am Limit” von Thomas Schönmann (Dübi-Inside Vize-Präsident) vom 2.4.2026 im Glattaler

Der Leserbrief von Thomas Schönmann verdient eine klare Antwort. Jahrelang wurde gefordert, Zugewanderte sollen sich integrieren: in Vereine eintreten, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Wenn nun genau das geschieht, wird es ihnen plötzlich zum Vorwurf gemacht.

Schönmanns Wortwahl ist dabei entlarvend: Er spricht von “unserer” Jugend, die keinen Platz mehr habe – und schliesst damit implizit migrantischen Jugendlichen die Berechtigung ab, sich im Vereinsleben zu engagieren. Das ist kein sachliches Kapazitätsproblem, sondern “Othering”: die einen gehören dazu, die anderen sind das Problem. Ebenso behauptet er, die Vereine müssten Integration “stemmen” – als wäre dies eine aufgezwungene Last. Er lässt völlig ausser Acht, dass ein beachtlicher Teil der Trainer:innen, Betreuer:innen und Vorstandsmitglieder zahlreicher Vereine selbst Migrationshintergrund hat und diese Arbeit freiwillig und ohne Verdienst leistet. Ohne sie würden viele Vereine schlicht nicht mehr funktionieren. Besonders stossend bleibt die Doppelmoral: Sportlich talentierte Migrant:innen werden mit Handkuss willkommen geheissen, ihre Einbürgerung teils sogar beschleunigt. Willkommen also – aber nur wenn es einem selber nützt. Schönmanns Aussagen sind ein Schlag ins Gesicht all jener, die dazu beitragen, unsere Dübendorfer Vereine am Leben zu erhalten, aber nicht dem Idealbild der SVP entsprechen.

Es ist kein Zufall, dass solche Leserbriefe ausgerechnet jetzt erscheinen, im Vorfeld der sogenannten “Keine 10-Millionen-Schweiz”-Initiative der SVP (perfide schöngefärbt als “Nachhaltigkeitsinitiative”). Die Strategie ist bekannt: Unbehagen schüren, Sündenböcke benennen, Abstimmungsverhalten vorbereiten. Das Vereinswesen dient dabei als emotionaler Hebel – wer könnte schon gegen den lokalen Fussballclub sein?
Wer in einer Demokratie lebt, sollte sich daran erinnern: Demokratie bedeutet, dass alle Menschen dieselben Rechte haben – nicht nur diejenigen, deren Beitrag einem selber gerade genehm ist.

Solche Worte von Herrn Schönmann, der mit dem Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen betraut ist, sind leider sehr unschön.

Joel Kobi, SP-Kandidatin Gemeinderat Dübendorf

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